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Malteser Frankfurt

Lebenszeit am Lebensende

24.10.2017

Lebenszeit  am Lebensende
• Experten aus der Hospiz- und Palliativarbeit  diskutieren zu Lebensqualität am Lebensende
• Interdisziplinäre Unterstützung von Schwerkranken und Sterbenden

„Gläubige sterben nicht leichter sondern anders.“ sagt Pfarrer Matthias Struth von der katholischen Krankenhausseelsorge am Uniklinikum Frankfurt. Hoffnung zu haben mache den Unterschied, fügt er an.
Um (positive) Perspektiven in einer schweren Lebensphase ging es in der Podiumsdiskussion anlässlich des Welthospiztages am 16. Oktober 2017, zu der die Frankfurter Malteser gemeinsam mit den Stadtbibliotheken eingeladen hatten.

Experten aus der Hospiz- und Palliativarbeit  erläuterten vor über 70 Frankfurtern die physischen, psychischen und seelischen Prozesse in der Sterbephase. Gleichzeitig (re)präsentierten sie die Vielfalt der heutigen Versorgungs- und Unterstützungsmöglichkeiten: Von ehrenamtlicher Begleitung über Seelsorge und Palliativmedizin bis hin zur Palliativpflege. 
„Lebensqualität“, ein Barometer für die individuellen Bedürfnisse, diente als Folie der Diskussion und regte an, die Vorstellungen und Wünsche zum eigenen Sterben in den Blick zu nehmen.

Niemand will einsam leben – warum sollte man dann so sterben?
 „Das Sterben ist so vielfältig wie die Menschen es sind“, erläuterte Kathrin Sommer vom Ambulanten Malteser Hospizdienst Frankfurt. Ambulante Hospizdienste begleiten diese Vielfalt im Prozess. Im Zentrum stünden qualitätsvolle Beziehungen, in denen die Begleiter sich - wenn nötig  - zurück nehmen oder aktiv Hoffnung anbieten, ergänzt die Regionalreferentin der Malteser Hospizarbeit Barbara Schoppmann.

Sterben und Angst sind eng miteinander verbunden, berichtete Pfarrer Struth. Seiner Erfahrung nach ist die Angst vor dem Sterben meist die Angst vor Schmerzen und langer Abhängigkeit.
Hier hilft nach Ansicht des Palliativmediziners  Dr. Ingmar Hornke, dass die Angst ernst genommen wird und ausgesprochen werden kann. Hornke plädierte für ein „Was bedrückt Sie?“ statt eines „ Es wird alles gut“ und für demütige Bescheidenheit seitens der Mediziner. „Das Schreckensbild des Erstickens ist gebannt“ erklärte er weiter und stellte die vielfältigen Möglichkeiten moderner Schmerzbekämpfung und Atemnotlinderung in der Palliativmedizin dar. In enger Zusammenarbeit mit der Palliativpflege verfolge man einen ganzheitlichen Ansatz, der den Sterbenden und seine Angehörigen in den Mittelpunkt stelle, das bestätigte auch Kathrin Sommer.

Autonom und unabhängig sein
Selbstbestimmtes Sterben gelingt  immer dann, da waren sich alle Experten einig, wenn die Wünsche und Bedürfnisse der Sterbenden und Schwerkranken klar kommuniziert sind. Hier helfe die stets aktuelle Patientenverfügung - aber auch, einer nahe stehenden Person die eigenen Vorstellungen zum Sterben anzuvertrauen und sich von ihr vertreten zu lassen. 

Ambulanter Malteser Hospizdienst
Malteser schenken Zeit und Aufmerksamkeit - im Leben und im Sterben
In Frankfurt engagiert sich seit 2015 eine wachsende Zahl von Ehrenamtlichen im Ambulanten Hospizdienst der Malteser. Derzeit begleiten drei Männer und 22 Frauen todkranke Menschen am Lebensende. Außerdem lassen sich zehn weitere Ehrenamtliche zum Hospizbegleiter qualifizieren.

Damit stellt der Hospizdienst der Malteser einen wichtigen Baustein im Versorgungsnetz für Schwerstkranke und Sterbende dar. Er ist gefragt - vor allen in Pflegeinrichtungen, wo viele Menschen ihre letzten Lebenstage verbringen.

Malteser Hospizdienste erhalten hohe Anerkennung
Kurz vor dem Welthospiztag hat die Koordinierungsstelle für Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland den Maltesern eine hohe Wertschätzung erwiesen. Sie erteilte den Maltesern die Berechtigung, eigene Projekte mit dem geschützten Erkennungssiegel „Initiative zur Umsetzung der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland und ihrer Handlungsempfehlungen“ zu
kennzeichnen. In dieser Charta verpflichten sich u. a. die Malteser, dass sie sich dafür einsetzen, ein Sterben unter würdigen Bedingungen zu ermöglichen.
Insbesondere wirken die Malteser den Bestrebungen nach einer gesetzlichen Erlaubnis des Tötens auf Verlangen entgegen. Stattdessen soll für die sterbenskranken Menschen und ihren Angehörigen in der Gesellschaft eine Perspektive der Fürsorge und des menschlichen Miteinanders entwickelt werden.

Kontakt zum Hospizdienst der Malteser: + 49 69 94 21 050 oder info(at)malteser-frankfurt(dot)de
Weitere Infos: www.malteser-frankfurt.de

Fotos:
_4987: Gut gefüllt: Gäste der Podiumsdiskussion zum Welthospiztag 2017 in der Stadtteilbibliothek Sachsenhausen. (Foto: Uwe Hofacker)
_5006: Ehrenamtliche Hospizbegleiter bieten Hoffnung an: Barbara Schoppmann von den Maltesern. (von li n.re: Elisabeth Pfister, Barbara Schoppmann, Pfarrer Matthias Struth) (Foto: Uwe Hofacker)
-5015: Das Schreckgespenst des Erstickens ist gebannt: Dr. Ingmar Hornke, Palliativmediziner. (von li n. re: Dr. Ingmar Hornke; Kathrin Sommer, Elisabeth Pfister, Barbara Schoppmann, Pfarrer Matthias Struth) (Foto: Uwe Hofacker) 

Weitere Informationen

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