Zusammen statt nebeneinander leben - Integrationslotse werden

Lotse sein - Integration ganz praktisch

Als ehrenamtlicher Integrationslotse oder -lotsin helfen Sie einzelnen geflüchteten Frauen, Männern oder Familien und unterstützen bei alltäglichen Herausforderungen:
• bei der Suche nach einer geeigneten Schule,
• bei der Betreuung der Kinder,
• beim Lernen der deutschen Sprache,
• bei Einkauf oder Arztbesuch und beim Gespräch mit Ämtern und Behörden.

Verständnis statt Misstrauen, Zugehörigkeitsgefühl statt Ablehnung – so gelingt Integration. Helfen Sie mit - als ehrenamtlicher Integrationslotse! Wir unterstützen Ihr Engagement.

 

Neu: Online Deutsch-Tandems

Wir organisieren Tandems zum Deutsch lernen und sprechen. Muttersprachler und Geflüchtete treffen sich per Videotelefonie, wir unterstützen dabei mit Online-Lernmaterial. Schreib uns eine Mail!

Michelle Jackson

Michelle Jackson
Referentin Integrationsdienste Leiterin Integrationsdienst Frankfurt
Tel. 069 942105 38
Fax 069 942105 22
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Abdelhamid  Azzagougui

Abdelhamid Azzagougui
Leiter Integrationsdienst Frankfurt
Tel. 069 94210559
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Malteser Migrationsbericht: Fakten statt Stimmungslage

Ein neues Zuhause - eine Geschichte aus dem Integrationsdienst

Ein neues Zuhause - eine Geschichte aus dem Integrationsdienst

Unter der Maxime "Zusammen statt nebeneinander leben" unterstützen wir geflüchtete Menschen beim Ankommen in Frankfurt. In einigen Fällen geht es auch um den Umgang mit traumatischen Erlebnissen. Frau Ott begleitet seit 2017 mehrere Tandems als Lotsin. Im Interview spricht sie über besondere Herausforderungen bei ihrer Arbeit und ein "kleines Wunder", das ihr dabei widerfuhr. 

Um ihre neugewonnene Zeit als Rentnerin sinnvoll zu nutzen, betreut Frau Ott mehrere Tandems gleichzeitig. "Man nimmt die Menschen anfangs sehr eng an die Hand und kann Stück für Stück etwas loslassen", beschreibt sie ihre Hilfe zur Selbsthilfe. Im günstigsten Fall entwickele sich daraus eine Art Freundschaft.

"Wusste nicht, mich zu verhalten"

Zu einem ihrer Tandems gehört Frau Karrim*, die 2015 mit ihrem Sohn Djamal* aus Afghanistan floh. Eines Tages habe der 16-Jährige unter Tränen von der Flucht berichtet. "Das war eine ganz schreckliche Situation. Ich wusste nicht mich zu verhalten", so Frau Ott. Letztlich habe sie ihn erstmal ausweinen lassen und versichert, ihm gerne zuzuhören.

Um für solche Fälle gewappnet zu sein, suchte Frau Ott das Gespräch mit den Hauptamtlichen der Malteser. "Eine professionelle Beratung hat mich aufgefangen, denn in diesen Situationen helfen die Koordinator_innen des Projektes. Außerdem gibt es viele Schulungen und Sensibilisierungen, auch zum Thema Traumata. Man muss sie nur annehmen."

Weil Frau Karrim Analphabetin ist, kommuniziert Frau Ott viel über Körpersprache mit ihr. Oft benötigt die Familie Unterstützung, so wie bei der Suche nach einer Wohnung. Zunächst waren Frau Karrim und Djamal in einer Einrichtung der Stadt untergebracht. Für zwei Personen war die 1-Zimmer-Wohnung jedoch zu klein.

Aufatmen für kurze Zeit

Damit Djamal abends ungestört für die Schule lernen konnte, zog sich seine Mutter in den kleinen Eingangsbereich der Wohnung zurück. Dort übernachtete sie auch. "Für den Jungen war es natürlich mega-peinlich, ein Zimmer mit seiner Mutter zu teilen", berichtet Frau Ott. "Frau Karrim war hoch motiviert, etwas an der Wohnsituation zu ändern. Sie konnte es als Analphabetin allerdings nicht artikulieren."

Frau Ott begleitet die Familie zum Wohnungsamt und knüpft Kontakte zum evangelischen Verein für Wohnraumhilfe. Tatsächlich können sie alsbald eine 2-Zimmer-Wohnung über den evangelischen Verein anmieten. Doch das befristete Wohnverhältnis endet bereits nach zwölf Monaten. Deshalb müssen sie auf dem schwierigen Frankfurter Wohnungsmarkt erneut nach einer passenden Bleibe suchen.

Frau Ott fertigt eine Bewerbungsmappe an, beschreibt den Integrationswillen der Familie und ihre eigene Rolle als Lotsin der Malteser. Auch das Jugend- und Sozialamt und  Djamals Schule helfen mit: "Djamal hatte sehr gute Noten und wir bekamen ein Empfehlungsschreiben der Schule. Er engagierte sich dort auch in einer AG gegen Rassismus und in einer Politik-AG. Außerdem identifiziert er sich sehr mit dem kulturellen Leben hier, mit der Sprache sowieso. Sogar vom Jugend- und Sozialamt haben wir ein Empfehlungsschreiben bekommen."

"Wie ein kleines Wunder"

Kurze Zeit später erhält Frau Ott einen Termin für eine Wohnungsbesichtigung. Schon davor kontaktiert sie den Hausmeister, stellt die Familie vor. "Auch wenn Frau Karrim nicht viel sprechen kann – sie ist sehr kooperativ. Sie kann sehr gut zeigen, dass sie mit beiden Beinen fest im Leben steht", so Frau Ott. Letztlich kommt die Familie in die engere Auswahl und erhält sogar den Zuschlag für die Wohnung. "Das war wirklich toll, wie ein kleines Wunder", freut sich Frau Ott.

Seit zwei Jahren wohnt die Familie nun in der neuen Wohnung. Frau Karrim hat ein eigenes Schlafzimmer und einen gemeinsamen Wohnbereich. Auch Djamal kann sich in sein Zimmer zurückziehen, Freunde können ihn besuchen und er kann am eigenen Schreibtisch ungestört lernen. Mittlerweile geht er auf ein Gymnasium, will das Abitur machen.

Verbesserte Situation erleichtert Integration

Weil die Wohnung am Stadtrand liegt, gab es zu Beginn kleinere Hürden. Anfangs wusste Frau Karrim nicht, wo sie einkaufen gehen sollte, da der nächste Supermarkt zu teuer war. "Dann hat sie sich mit den Nachbarinnen solidarisiert. Sie fahren gemeinsam Einkaufen oder besuchen Flohmärkte. Sie hat sich wunderbar eingelebt", sagt Frau Ott.

Bald wird Frau Karrim eine Eingliederungsmaßnahme zur beruflichen Integration machen. Außerdem möchte sie ihr Deutsch verbessern."Für die Zukunft wünsche ich mir, dass sie noch viele glückliche Jahre in ihrem Berufsleben hat. Und Djamal macht bald sein Abitur."

Das Interview führte Jonas Harbke, Praktikant im AmkA.

*Die Namen wurden geändert.

Rassismus in der Kita: Live aus dem Integrationsdienst

Rassismus in der Kita: Live aus dem Integrationsdienst

"So darf er nicht mit ihr reden"

Die Journalistin Frau Treffinger engagiert sich seit Beginn des Projektes als Integrationslotsin. Mit ihrer Tandempartnerin Frau Keita* lernt sie zu Beginn Deutsch. Später macht Frau Keita eine Ausbildung und muss zweimal in der Woche zur Berufsschule. Weil sie ihre Tochter Anisa* an ihren Berufsschultagen nicht in die Kita bringen kann, übernimmt Frau Treffinger diese Aufgabe für fast anderthalb Jahre.

Eines Tages möchte Anisa nicht mehr in die Kita gehen. Sie verhält sich anders, scheint von Ängsten getrieben. Ihrer Mutter erzählt sie, dass die anderen Kinder nicht mit ihr spielen wollen – angeblich weil sie schwarz ist. Als Frau Treffinger die Kleine beim nächsten Mal in die Kita bringt, bemerkt sie, wie ein Junge "Anisa – voll eklig" sagt. Aus Reflex habe sie mit dem Jungen geschimpft, ihm gesagt, dass er so nicht mit ihr reden dürfe. Gleichzeitig habe diese Situation ihr vor Augen geführt, wie gravierend das Problem ist, so Frau Treffinger.

Immer wieder Gespräche

Für Frau Keita und Frau Treffinger steht damit fest, handeln zu müssen. In einer WhatsApp-Gruppe berichtet die Mutter den Eltern der anderen Kinder, dass ihre Tochter rassistisch beleidigt wird. Manche Eltern sind entsetzt, andere wollen das Thema in den Elternbeirat bringen. An Anisas Ausgrenzung ändert sich aber zunächst nichts.

Im Gespräch mit den Erzieher_innen der Kita stellen diese zuerst auf die schwierige Personalsituation ab. Von einer Erzieherin bekommt Frau Keita sogar zu hören, dass sich Anisa einfach an solche Sprüche gewöhnen müsse, da sich Kinder eben gegenseitig ärgern würden. Völlig inakzeptabel, finden Frau Treffinger und Frau Keita und wenden sich an die Leiterin der Kita. Diese verspricht, die Situation zu beobachten.

Rund sechs Wochen später räumt die Leiterin ein, das rassistische Mobbing erschrocken wahrgenommen zu haben. Drei, vier Kinder seien daran beteiligt gewesen, weshalb sie Gespräche mit diesen Kindern und ihren Eltern geführt habe.

"Wir sind bunt"

Als Reaktion startet die Kita neue Aktionen wie "Wir sind bunt“, um das Bewusstsein der Kinder für gegenseitige Wertschätzung zu schärfen. "Unsere Gespräche mit der Kita haben neue Impulse dafür gesetzt, Kinder vor rassistischer Ausgrenzung zu schützen. Die Kita ist sehr viel aufmerksamer geworden", resümiert die Lotsin. Dennoch bleibt die Hautfarbe ein Dauerthema bei Anisa. Oft stellt sie Fragen wie: "Was wäre, wenn ich weiß wäre?"

Frau Treffinger hat aus den Geschehnissen viel mitgenommen: "Erwachsene dürfen es nicht durchgehen lassen, wenn sich Kinder rassistisch verhalten." Zwar würden Kinder oft nur nachsprechen, was sie woanders aufgeschnappt haben. "Wenn sie jedoch merken, dass sie damit durchkommen, tun sie es immer häufiger." Aber auch diejenigen Kinder, die nur zuschauen, müssten lernen, ihre Stimme für ein faires Miteinander zu erheben. "Für mich war das ein sehr wichtiger Lernprozess."

Das Interview führte Jonas Harbke, Praktikant im AmkA.

*Die Namen wurden geändert.

Das bieten wir

Das bieten wir

Ihr Engagement hat bei uns beste Rahmenbedingungen:
• Unterstützung durch unsere hauptamtliche Koordinatorin.
• Bewegende und bereichernde Begegnungen mit Menschen, die Ihre Unterstützung benötigen.
• Eine aufgeschlossene Gemeinschaft, die sich auf Sie freut.
• Schulungen und Fortbildungen, die Sie qualifizieren und Ihnen Handlungssicherheit bieten.
• Erfahrungsaustausch und Supervision mit anderen Lotsen.
• Versicherungsschutz und Auslagenerstattung.

Das erwarten wir

Das erwarten wir

Zeit: Ein bis zwei Stunden Zeit pro Woche

  • Offenheit für andere Kulturen und Verhaltensweisen,
  • Freude im Umgang mit Menschen,
  • Hilfsbereitschaft und Organisationstalent,
  • Teamgeist,
  • Verständnis für Menschen, die alles verloren haben und aus ihrer Kultur herausgerissen wurden,
  • Respekt für die persönlichen Grenzen anderer.